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Raus aus der Grübelfalle: Mini-Visualisierungen machen den Alltag glücklicher

Anjana Gill verbindet fernöstliche, indische Traditionen mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Seit über 25 Jahren beschäftigt sich die Bestsellerautorin, Beraterin und Coachin mit dem Thema Glück. Im Interview erklärt sie, wie wir bereits mit 20-Sekunden-Übungen unser Glücksempfinden verbessern können, wie wir toxischer Positivität entkommen und welche Strategien zu mehr Lebensfreude führen.

Frau Gill, Sie sagen, dass schon 20 Sekunden unser Leben verändern können. Wie genau funktioniert eine Mini-Visualisierung?

Anjana Gill: Heute ist wissenschaftlich bekannt, dass die Kraft der Gedanken sehr viel bewirken und eine regelrechte Erfüllungsenergie aussenden kann. Doch die meisten Menschen sind abends vor dem Einschlafen viel zu erschöpft für lange Meditationsübungen. Deshalb habe ich die 20-Sekunden-Visualisierungen entwickelt. Man taucht immer wieder kurz am Tag gedanklich in etwas Schönes oder in die Erfüllung seines Wunsches ein. Das ist unglaublich effektiv und lässt sich perfekt in den Alltag einbauen, zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee oder beim Warten an einer roten Ampel.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Tagtraum und einer wirkungsvollen Visualisierung?

Anjana Gill: Ein klassischer Tagtraum gleicht dem Bauen von Luftschlössern. Doch mit Dingen, deren Erfüllung wir insgeheim nicht für möglich halten, brauchen wir uns erst gar nicht zu befassen. Stattdessen sollten wir etwas manifestieren, das im Bereich des Möglichen liegt. Diese Visualisierungstechnik lässt sich hervorragend und nachweislich nutzen, um etwa die Aufregung vor einem Auftritt aufzulösen, ein besseres Arbeitsumfeld zu finden oder erfolgreich eine neue Wohnung zu suchen.

 

Kann das Aussprechen eines Wunsches tatsächlich ausreichen, damit dieser in Erfüllung geht?

Anjana Gill: Natürlich reicht es nicht, einfach nur eine Affirmation aufzusagen. Zunächst einmal muss der Boden dafür bereitet sein. Dazu gehört es, alte, blockierende Glaubenssätze zu erkennen und sich von ihnen zu lösen. Viele Menschen hängen in kollektiven Überzeugungen fest, wie „Die Zeiten sind hart“ oder „Das Leben ist kein Ponyhof“. Erst wenn wir dieses negative Mindset ablegen und aufhören, uns selbst zu blockieren, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für unser Leben.

 

Stichwort negatives Mindset: Wie gelingt es uns, angesichts von häufig schlechten Schlagzeilen positiv zu bleiben?

Anjana Gill: Es ist essenziell, dass wir unser individuelles Glück von dem gesellschaftlichen und kollektiven Zustand abkoppeln. Mein persönlicher Tipp dazu ist eine bewusste Stopp-Geste. Wenn ich merke, dass mir negative Nachrichten zu viel werden, sage ich: „Stopp, bis hierhin und nicht weiter!“ Es macht einen gewaltigen Unterschied, diese Geste tatsächlich physisch auszuführen, anstatt es nur im Geiste zu denken. In dem Moment verändert sich die Energie, die Negativität wird unterbrochen, und wir können uns wieder bewusst auf schönere Dinge fokussieren.

 

Was entgegnen Sie sehr rationalen Menschen, die Manifestation für reines Wunschdenken oder Esoterik halten?

Anjana Gill: Als ich vor 20 Jahren anfing, wurde das Thema tatsächlich noch oft belächelt. Aber heute ist die westliche Wissenschaft viel weiter. So hat beispielsweise die renommierte Harvard University in Studien nachgewiesen, inwieweit das Gefühl der Dankbarkeit das Leben verlängert und nachweislich gesünder macht.

 

Ein Zitat von Ihnen lautet: „Je wohlhabender du dich fühlst, desto mehr Fülle wirst du in deinem Leben finden.“ Wie erzeugt man dieses Gefühl von Fülle, wenn gleichzeitig die finanziellen Sorgen im Alltag groß sind?

Anjana Gill: Das ist ein zentraler Punkt. Geld ist weder gut noch schlecht. Wenn jedoch die Not groß ist und man nicht weiß, wie man seine Rechnungen bezahlen soll, aktiviert das sofort die Sorgen- und Negativspirale. In dieser Grübelfalle wird unsere Energie immer dichter, und wir bekommen Angst. Angst zieht jedoch niemals Erfüllung an – das tut nur Vertrauen. Man muss in ein tiefes Grundvertrauen gehen und sich gewiss sein, dass man zur Lösung des Problems geführt wird. Ich sage immer: Feuer löscht man mit Wasser, und die Angst löscht man mit Vertrauen.

 

Das ständige Streben nach Glück in den sozialen Medien erzeugt bei vielen jedoch einen enormen Druck. Bedeutet Positivität für Sie, schwierige Emotionen einfach wegzulächeln?

Anjana Gill: Nein, ganz im Gegenteil! Diese sogenannte toxische Positivität ärgert mich sehr, weil sie das Echte und Gute kaputtmacht. Es geht ganz und gar nicht darum, sich eine aufgesetzte TikTok-heile-Welt vorzugaukeln. Vielmehr kommt es darauf an, resilient zu sein, Krisen zu meistern und echte Lösungen zu finden. Die inszenierte Hochglanzwelt hingegen baut einen hohen Druck auf. Sich ständig mit dem augenscheinlich perfekten Leben anderer zu vergleichen, ist das Schlimmste, was man tun kann – es ist pures Gift.

 

Zum Abschluss: Was macht Sie persönlich glücklich?

Anjana Gill: Privat machen mich meine Familie und meine Kinder sehr, sehr glücklich. Darüber hinaus ist es das unbezahlbare Gefühl, ein sinnvolles, erfülltes Leben zu führen. Ich liebe meine Arbeit, das Schreiben von Büchern und den stetigen Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern. Und es macht mich wahnsinnig stolz, dass meine Bücher mittlerweile in vielen Sprachen erhältlich sind: von Englisch und Spanisch über Serbisch und Chinesisch bis zu Koreanisch und Russisch.

 

Zur Person

Anjana Gill zählt zu den bekanntesten Glücksexpertinnen in Deutschland und ist Spiegelbestseller-Autorin mit deutsch-indischen Wurzeln. Sie beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit Themen rund um Wunscherfüllung, Manifestation und Glück und hat mehr als 18 Bücher veröffentlicht. Anjana Gills Motto: „Alles ist möglich – wenn du die Kraft deiner Gedanken richtig nutzt und mit dem Universum zusammenarbeitest.“

 

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Über den Kolumnenautor

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Oliver Schönfeld

Was ist eigentlich Glück? Ist es ein subjektives Gefühl oder lässt sich Glück objektiv messen? Hat Glück etwas mit Geld zu tun, zum Beispiel mit einem Lotteriegewinn? Denken Menschen in anderen Ländern ähnlich? Dieser und ähnlichen Fragen geht der Kolumnist Oliver Schönfeld jede Woche an dieser Stelle nach. Dabei nimmt er auch die Eurojackpot-Welt unter die Lupe und berichtet hautnah über aktuelle Themen, Trends und Kuriositäten.

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Axel Weber

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