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Das innere Glück finden

Achtsam sein, bei sich selbst ankommen, auch im Alltag häufiger das Schöne und Positive sehen: Klingt gar nicht so kompliziert. Und ist eine Strategie, mit der wir ganz automatisch lernen, glücklicher zu sein. Das meint zumindest Glücksexpertin Nathalie Marcinkowski („happyroots“). Was sie unter dem „inneren Glück“ versteht und warum sie einen hohen Millionengewinn nicht für sich alleine behalten würde, lesen Sie im Interview.

Nathalie Marcinkowski hat Psychologie und Angewandte Positive Psychologie studiert (Abschluss an der Ruhr-Universität & University of East London) und 2015 „happyroots“ gegründet. Seitdem teilt sie ihre Leidenschaft für das Glück mit anderen, rund 18.000 Menschen besuchen monatlich die Homepage. Im Folgenden beantwortet sie unsere Fragen.

 

Was verstehen Sie unter dem „inneren Glück“?

Dieser Begriff meint das Glück, zu dem wir unabhängig von äußeren Einflüssen Zugriff haben – unabhängig davon, wie viel Geld ich zur Verfügung habe, unabhängig davon, wo ich mich gerade befinde, was ich besitze und welche kleinen Herausforderungen gerade anstehen. Aus der Verbindung zum inneren Glück können wir die äußeren Umstände aktiv und passend für uns gestalten.

Für die Verbindung zum inneren Glück ist es wichtig, achtsam auf uns selbst und unsere Bedürfnisse zu sein und diesen bei unseren Entscheidungen zu folgen. Das gilt für unterschiedliche Fragen, die kleinen und die großen. Zum Beispiel: Kann ich mir meinen heutigen Job dauerhaft vorstellen, kommen meine Stärken und Werte zu Geltung – oder möchte ich etwas ganz anderes machen?

Inneres Glück hat damit zu tun, sich selbst zu mögen und zu lieben und es sich zu erlauben, Glück zur Priorität zu machen. Dazu gehört auch, dass wir unsere positiven Seiten besser kennenlernen und so das Glück in unserem Leben selbst schaffen. Ohne diese positive Einstellung zu sich selbst folgt man Selbstkritik und dem permanenten Druck zur Selbstoptimierung. Wenn wir daraus aussteigen und „zu uns kommen“, kann jeder sein inneres Glück finden.

 

Kann man Glück wirklich lernen?

Ja, davon bin ich fest überzeugt – man kann mehr bei sich selbst ankommen, seinen Blick für das Schöne und Positive öffnen, seine besten Seiten kennenlernen und einsetzen. Es ist ja alles schon in uns angelegt. Was sind Dinge, die ich in meinem Leben richtig wertschätze, was ist mir wirklich wichtig? Das ist der Anfang zu mehr persönlichem Glück.

Spannend und besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang, dass Depressionsraten und die Zahl von Burn-Out-Diagnosen in Deutschland weiter steigen. Stress im Job ist ein wesentlicher Faktor für diese negative Entwicklung. Dieser Stress überdeckt die Verbindung zum inneren Glück. Vorstellungen davon, dass wir glücklich sind, wenn wir bestimmte Ziele erreichen, lenken unsere Aufmerksamkeit permanent in die Zukunft. In der Gegenwart sind viele von uns dann in einer Schleife gefangen, in der wir uns von Problemen durch mehr Konsum, durch Computerspiele oder Filme und Serien ablenken. Das laugt uns jedoch nur zusätzlich aus. Und durch die konstante Ablenkung schauen wir gar nicht wirklich hin, was uns eigentlich fehlt – und können somit auch nichts verändern.

 

Dennoch: Wie wichtig ist Materielles aus Ihrer Sicht, um glücklich zu sein?

Für die allermeisten Menschen ist es wichtig, die Grundbedürfnisse gedeckt zu haben, sich somit sicher zu fühlen. Über eine gewisse Summe hinaus steigert ein höheres Einkommen aber nicht das persönliche Glück, das haben mehrere Studien (Easterlin, McVey, Switek et al., 2010, Diener & Biswas-Diener, 2002, Diener & Oishi, 2000) belegt.

Fragen Sie sich selbst: Gehen Sie shoppen, weil Ihnen langweilig ist, weil Sie unzufrieden sind, weil Sie mit einem bestimmten Produkt cooler wirken möchten? Wenn es so ist, wird das Glücksgefühl nach dem Einkauf sehr sehr kurz sein. Geld hingegen in schöne Erlebnisse zu investieren oder es für andere auszugeben, dies sind tatsächliche Glücksbooster, die langfristig tragen. So machen es die sehr glücklichen Menschen jedenfalls, und genau diese Strategie wirkt auch für den Durchschnittsglücklichen beflügelnd (Dunn, Aknin & Norton, 2008).

 

Macht Glücksspiel glücklich?

40 Millionen zum Beispiel können einen Menschen (und viele weitere) sehr glücklich machen – wenn er 39 Millionen spendet und 1 Million für sich behält. Die Million auf dem Bankkonto gibt Sicherheit und Freiheit und ermöglicht es zudem, sich Wünsche zu erfüllen. Studien zeigen, dass der Belohnungskreislauf im Gehirn jedoch noch mehr aktiviert wird, wenn man anderen gibt – zu geben und zu spenden bereichert eher als zu haben (Harbaugh, Mayr & Burghart, 2008, Fehr, Collin & Camerer, 2007). Glück weiterzugeben ist tatsächlich die größte Glücksquelle.

 

Hand aufs Herz: Würden Sie den Großteil eines Millionengewinns weggeben? Kann jemand tatsächlich so altruistisch sein?

(lacht) Das habe ich tatsächlich mal mit meinem Freund diskutiert. Der dachte dann direkt an eine Stiftung, die man aufbauen könnte. Aber ganz ehrlich – so viel möchte ich gar nicht zu tun haben. Natürlich würde ich arg mit mir kämpfen, denn die Versuchung, mehr zu behalten, ist enorm.

Aber ich glaube nicht, dass Abgeben in diesem Fall wirklich altruistisch ist. Es ist logisch. Was soll ich denn alleine mit diesem ganzen Geld? Es würde mich eher überfordern, auch die Möglichkeiten, die sich plötzlich auftun. Und die enorme Verantwortung, die man mit so viel Geld automatisch trägt. In diesem Sinne ist es vielleicht sogar viel eher egoistisch, den großen Teil wegzugeben.

Die Vorstellung, damit Regenwaldflächen zu schützen und neue Bäume zu pflanzen, lässt mich direkt lächeln. Und nebenbei: Im oben genannten Szenario würde ich ja trotzdem noch Millionärin bleiben!

 

Was macht Sie persönlich glücklich?

Meine Freunde, gerade auch in herausfordernden Situationen. Es ist sehr gut zu wissen, dass man wundervolle Menschen in seiner Nähe hat, die wertschätzend und urteilsfrei zuhören. Ebenso macht es mich glücklich, Glück weiterzugeben durch meinen Beruf. Und natürlich machen ungemein viele Kleinigkeiten glücklich – wir müssen sie nur wahrnehmen. Ein gutes Essen zum Beispiel oder ein ausgedehnter Spaziergang in schöner Natur.

 

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Über den Kolumnenautor

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Oliver Schönfeld

Was ist eigentlich Glück? Ist es ein subjektives Gefühl oder lässt sich Glück objektiv messen? Hat Glück etwas mit Geld zu tun, zum Beispiel mit einem Lotteriegewinn? Denken Menschen in anderen Ländern ähnlich? Dieser und ähnlichen Fragen geht der Kolumnist Oliver Schönfeld jede Woche an dieser Stelle nach. Dabei nimmt er auch die Eurojackpot-Welt unter die Lupe und berichtet hautnah über aktuelle Themen, Trends und Kuriositäten.

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Axel Weber

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